Die hinreißende Nonsens-Show „Das Jubiläum – Mord, Moral und Mortadella“ im Lustspielhaus.
Dass die italienischen Mafiaclans längst auch in München ihre kriminellen Geschäfte betreiben, weiß man inzwischen. Neu ist allerdings, dass sie jetzt sogar ein Theater gekapert haben und ihre Familienfehden auf offener Bühne austragen – ganz schön dreist. Sie scheinen die Polizei nicht zu fürchten, vermutlich verwechseln sie Polente mit Polenta.
Erdacht hat sich das die Kernfamilie des Lustspielhauses, die schon seit Jahren (anfangs unter dem Namen Occams Rache) das Sommerloch mit wild-verrückten Eigenproduktionen wie „Der Watzmann ruft“ oder „Siegfried“ auffüllt. Und weil das Lustspielhaus dieses Jahr 30 wird, soll auch im Bühnenspektakel „Das Jubiläum – Mord, Moral und Mortadella“ gefeiert werden. Geschrieben hat’s Alexander Liegl, mit absurder Fantasie und leichten Anleihen beim Film „Der Pate“, inszeniert hat mit viel Schwung, Slapstick und Musik Gabi Rothmüller. Die Musik liefert ein Teil des Bud Spenzer Heart Chor mit rhythmischen Einlagen und italienischen Popsongs. Weil die über 20 Sänger und die fünfköpfige Band nicht auf die Bühne passen würden, singen sie aus dem Parkett,
Zwischen den Familien Bavarotti und Occamosa herrscht seit 30 Jahren eher zufällig Waffenruhe. Deshalb plant Mama Bavarotti ein Versöhnungsfest mit den Erzfeinden. Aller Zwist soll begraben werden in einem ewigen Frieden, sodass man beim Nachtisch statt zehn nur noch vier Portionen braucht. Die resolute, chice Mama (Sonja Kling) ist das Oberhaupt der Bavarottis, ihr Wort ist Gesetz. Da kuscht der weichliche Anpasser-Sohn Salvatore (Roland Penzinger) genauso wie die zappelig-quengelige Tochter Francesca (Gabi Rothmüller). Clanboss der Occamosa ist Don Piero (Alexander Liegl), der sich seiner Macht immer wieder mit Mantras vergewissern muss, um seine Selbstzweifel zu beschwichtigen. Mondän, souverän und skrupellos ist dagegen seine Schwester Donna Influenza (Sonja Kling). Die weist auch Dottoressa Mabusa (Robert Blöchl), die hypnotisierwütige Familientherapeutin der Occamosa, in die Schranken.

In der Einbauküche wird scharf geschossen in der Jubiläumsproduktion der Lustspielhaus-All-Stars Foto: Christian Böhm
Robert Blöchl und Roland Penzinger sind das österreichische Kabarett-Duo BlöZinger, das gerne mit Clownerien arbeitet. Die können sie hier als Umbaupersonal mit einer skurrilen Wäscheleinen-Szene einbringen. Zur Vorbereitung des Fests outet sich Pino Spaltro, seit vielen Jahren als Kellner schon zur Familie gehörig, als Sänger und schmettert „Volare“. Leider wird er unliebsam unterbrochen (Pino darf später noch einen bayerischen Promi spielen). Dabei sollten doch nur Platzpatronen in Salvatores Pistole sein. Das ist nicht das Einzige, was schiefläuft. Im Beichtstuhl fechten Donna Influenza und Francesca ihren Zickenkrieg aus, der mithörende Monsignore (Alexander Liegl) weiß daraus Kapital zu schlagen. Influenza gerät dann mit Salvatore aneinander. Leichte Schläge mit einem Silbertablett auf den Hinterkopf lassen beide plötzlich in Liebe entflammen – „That’s amore“ weiß der Chor. Und Salvatore wird bruchsicher in einen Teppich gewickelt.
In der Küche führt Maestro Robert Blöchl das Regiment, ab und zu fischen sich die Mafiosi ihre Knarren aus dem Kochtopf. Der riesigen Geburtstagstorte entsteigt ein Überraschungsgast – bei der Premiere war es Luise Kinseher, es wird jeden Abend jemand anderes sein. Alle warten auf Salvatore, und als der Teppich sein Geheimnis preisgibt, löst sich der Gordische Knoten der Verwirrungen von selbst und ganz ohne Blutvergießen.
Hinreißende Typen, spielfreudige Darsteller, absurde Fantasie, szenische Komik und Clownerie: Die Großmeister der Nonsens-Kleinkunst haben zum Jubiläum einen Mordsspaß vom Allerfeinsten angerichtet. ||
DAS JUBILÄUM – MORD, MORAL UND MORTADELLA
Lustspielhaus | bis 15. August | Mi bis Sa 20 Uhr | Tickets: 089 344974 | www.lustspielhaus.de
Das könnte Sie auch interessieren:
Crossdressing im Mittelalter: »JOAN« von Hannah Schillinger
Selbstzweifel an die Rampe! - "Creep" im Pathos
Warum Barbara Mundel bleiben soll: ein Leserbrief von unserer Herausgeberin Christiane Pfau
Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns, dass Sie diesen Text interessant finden!
Wir haben uns entschieden, unsere Texte frei zugänglich zu veröffentlichen. Wir glauben daran, dass alle interessierten LeserInnen Zugang zu gut recherchierten Texten von FachjournalistInnen haben sollten, auch im Kulturbereich. Gleichzeitig wollen wir unsere AutorInnen angemessen bezahlen.
Das geht, wenn Sie mitmachen. Wenn Sie das Münchner Feuilleton mit einem selbst gewählten Betrag unterstützen, fördern Sie den unabhängigen Kulturjournalismus.
JA, ich will, dass der unabhängige Kulturjournalismus weiterhin eine Plattform hat und möchte das Münchner Feuilleton



