Mit Julia Weigl und Christoph Gröner als Doppelspitze festigt das Filmfest München seinen Ruf als Deutschlands größtes Sommer-Filmfestival.
Zum bereits 43. Mal findet in diesem Jahr das Filmfest München statt. Vom 26. Juni bis zum 5. Juli steht die Landeshauptstadt wieder ganz im Zeichen des Kinos. Dass sich das Festival unter anderem auch Deutschlands größtes Sommer-Filmfestival nennen darf, hat es vor allem dem künstlerischen Leitungsduo Christoph Gröner & Julia Weigl zu verdanken. Ihre konsequente Arbeit wurde erst letzten Herbst honoriert, als der Vertrag der beiden um fünf Jahre verlängert wurde. „Wir sind sehr froh,“ so Gröner, „dass Stadt und Land weiterhin sagen, das wollen wir unterstützen. Trotz der Haushaltslage wird hier, was etwaige Beschränkungen des Budgets anbelangt, mit sehr großem Augenmaß gehandelt, damit wir so ein tolles Publikumsfestival sein können.“ Und Weigl ergänzt: „Ich sehe unsere Aufgabe als Experiment, das sich ständig weiterentwickeln und verändern kann und muss. In einer Zeit, die von ständigen Umbrüchen geprägt ist, haben wir einen großen Flexibilitätsvorteil. Wir können einfach viel schneller, agiler und dynamischer reagieren als ein großes Haus, das mehrere Jahre im Voraus planen muss.“
Im Laufe der letzten Jahre hat sich das Festival mehr und mehr zu einem Treffpunkt für die Branche weiterentwickelt. Christoph Gröner betont aber: „Der Unterschied zu anderen Festivals, die mittlerweile ebenfalls einen starken Industrieaspekt haben ist: Bei uns bleibt es trotzdem ein Fest. Das macht schon allein der Sommer. Und wir betonen das auch mit einer Ikonografie, die den Sommer in der Stadt an der Isar betont.“ Damit nicht genug. Längst ist das Filmfest München mehr als ein Event, das nur einmal im Jahr stattfindet, sondern ein Ereignis, das das ganze Jahr über präsent ist. „Und damit meinen wir nicht nur unser Kurzfilmfestival im November, das Festival of Future Storytellers“, so Gröner, „denn wir werden schon in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni in der Halle E des Gasteigs vertreten sein, wenn dieser dort unter dem Motto ‚40 Stunden Gasteig‘ sein 40-jähriges Jubiläum feiert.“ Gemeinsam mit Mubi wird ein kuratiertes Best-of aus Filmen präsentiert, die in der Vergangenheit im Rahmen des Festivals zu sehen waren. Und Julia Weigl ergänzt: „Dort kann man sich kostenlos und die ganze Nacht mit Filmkunst berieseln lassen. Und darum geht es uns auch: Dass wir in den öffentlichen Raum gehen, mit den unterschiedlichsten Partnern zusammenarbeiten und bei jeder Gelegenheit auf Kino und Film hinweisen.“

Präsentieren ihren Film in München: Sandra Hüller und Hanns Zischler als Erika und Thomas Mann in »Vaterland« | © Agata Grzybowska
Wie eingangs bereits erwähnt, stehen Julia Weigl und Christoph Gröner dem Filmfest München als Doppelspitze vor. Kümmert sie die eine ums Kreative, während der andere sich mehr auf das Geschäftliche konzentriert? Weigl stellt klar: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Ganze partnerschaftlich angehen wollen. Genau wie das Filmfest selbst wollen auch wir für Dialog stehen. Und da es in unseren Zeiten auch darum geht, Entscheidungen ausgewogen zu treffen, ist es natürlich viel besser, dies als Duo zu tun, anstatt es allein auszutüfteln.“ Oder, wie es Gröner kurz und prägnant formuliert: „Wir sind ein ganz kleiner Think Tank in einem größeren Think Tank des gesamten Filmfest-Teams. Auf diese Weise kommen wir einfach am schnellsten zum Ziel.“
Das Filmfest München ist für seine Ausgewogenheit aus Glamour und Arthouse bekannt. Dabei muss es auch immer sein Publikum im Auge behalten, darf nicht zu „cineastisch“ werden. Deshalb ist die Wahl Toni Servillos zum diesjährigen Preisträger des CineMerit-Awards durchaus mutig zu nennen. Servillo ist vor allem einer kleinen Filmkunstgemeinde ein Begriff, ist er doch der Stammschauspieler des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza – Die große Schönheit“). Doch Julia Weigl bricht eine Lanze für ihn: „Wir sehen München als Zentrum des europäischen Filmschaffens. Und Toni Servillo ist eine starke Persönlichkeit, die wie kaum eine andere für das europäische Kino steht. In diesem Punkt wollten wir im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen wir vielleicht etwas Hollywood-orientierter waren, ganz bewusst ein Zeichen setzen.“ Und Gröner ergänzt: „Wir haben Kate Winslet als Produzentin und Jessica Lange als Fotografin entdeckt. Und nun kommt Toni Servillo, der als das Gesicht von Paolo Sorrentino zum europäischen Schauspieler des Moments wird. Nicht umsonst gehört Servillo laut New York Times zu den 25 wichtigsten Darsteller:innen des 21. Jahrhunderts.“

CHRISTOPH GRÖNER & JULIA WEIGL beim Fotocall der Programmer im Museum Brandhorst anlässlich des 42. FILMFEST MÜNCHEN am 27. Juni 2025 | © Joel Heyd / Filmfest München
Für großartiges europäisches Kino steht auch „Vaterland“, der diesjährige Eröffnungsfilm des Filmfest München. Darin erzählt der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski vom Literaturpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und dessen Tochter Erika (Sandra Hüller), die 1949 durch das zerbombte Nachkriegsdeutschland von Frankfurt nach Weimar reisen. Der Film kommt mit den besten Empfehlungen an die Isar, wurde er doch bei seiner Weltpremiere in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Zur Eröffnung werden Sandra Hüller, Hanns Zischler, August Diehl sowie Regisseur Paweł Pawlikowski erwartet.
Es fällt sicherlich nicht leicht, aus dem wie immer üppigen Programm weitere Highlights herauszufiltern. Die Filmfestleitung hat es trotzdem getan, und zwei Filme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten ausgewählt. Julia Weigl hat sich für Tom Schreibers „Schöne Seelen“ mit August Diehl und Josef Hader in den Hauptrollen entschieden: „Eigentlich ein Kino des Nichtstuns und des Scheiterns. Ein schwarzhumoriger Slacker-Film, der in seiner Beiläufigkeit wunderbar unterhaltsam ist.“ Christoph Gröner wartet abschließend mit einem richtigen Geheimtipp auf: „Erupcja“ von Pete Ohs mit Popstar Charlie xcx: „Bestes amerikanisches Independent-Kino. Der Film schließt direkt an das an, was das Filmfest in den 1980ern und 1990ern war, nämlich ein Entdecker von wahren Indie-Stimmen. Und ich darf sagen: Pete Ohs ist jemand, der uns beide fasziniert und auf den auch Hollywood gerade total abfährt.“ ||
43. FILMFEST MÜNCHEN
26. Juni – 5. Juli
Tickets & Programm unter www.filmfest-muenchnen.de
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