Vom 16. bis 18. Oktober öffnen die Münchner Galerien ihre Türen zum jährlichen Gallery Weekend von Open Art Munich.

Mehr als drei Jahrzehnte war es ein schöner und fester Termin im Kalender: Die »Open Art«, mit der an einem kollektiven Wochenende Anfang September die Kunstsaison der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst eingeläutet wurde. Heute ist das legendäre Kunstevent verwässert: Es tritt in Konkurrenz zu den »VARIOUS OTHERS« im Mai, trägt den Zusatz »Gallery Weekend«, bezieht Museen und Kunsträume mit ein und experimentiert mit dem Datum. Nach dem letztjährigen Versuch mit Juli wurde dieses Jahr der 16.–18. Oktober gewählt, parallel zu den exklusiven »MUNICH HIGHLIGHTS« in der Residenz, einer hochkarätigen Kunstmesse mit internationalen Ausstellern. Auch das Konzept mit den gemeinsamen Vernissagen gibt es bei der »Open Art« so nicht mehr, da die Hälfte der Ausstellungen schon lange vorher zu sehen ist. Bei all der Verwirrung bietet sich der Termin dennoch für eine Entdeckungstour durch die Galerien an.

Der Großteil der Galerien setzt auf klassische Malereipositionen, darunter viele bekannte Namen. So begegnet man etwa Elvira Bach, der Altmeisterin der expressiven Malerei, der die All You Can Eat Gallery mit der Präsentation einiger ihrer bedeutenden Frauenbildnisse zum 75. Geburtstag gratuliert. In der Galerie Biedermann stößt man auf den Briten Patrick Procktor (1936–2003) und seine figürlichen Aquarelle und Andreas Binder zeigt räumlich abstrakte Malereien hinter Glas des Spaniers Julio Rondo (*1952), einem seiner langjährigsten Künstler der Galerie.

Ungebändigter Ausdruckswille
Mit der Ausstellung »50 Jahre im Überblick« zum 80. Geburtstag von Franz Hitzler würdigt die Galerie Braun-Falco einen der bekanntesten Münchner Maler, Grafiker und Bildhauer. Die repräsentative Auswahl der Arbeiten zeigt zwar eine künstlerische Breite und Entwicklung, aber auch, dass sich das Werk in all den Jahren weder inhaltlich noch stilistisch grundlegend gewandelt hat. Hitzler ist seinem gestisch-expressiven, zwischen Figuration und Abstraktion changierenden Stil treu geblieben, der unverkennbar in der Zeit der 60er und 70er Jahre wurzelt, in künstlerisch-geistiger Nähe zu Künstlervereinigungen wie CoBrA und SPUR, die eine neue Spontanität und Authentizität des Ausdrucks suchten. In Hitzlers Arbeiten bricht sich ein ungebändigter, teils grotesker, manchmal auch kindlich-naiver Ausdruckswille Bahn, mit dem er seine inneren und äußeren Dämonen zu bändigen sucht: Emotionale Farb- und Formeruptionen bringen bedrohlich wirkende chiffreartige Elemente her vor – maskenartige Fratzen, Fabelwesen und surreale Gnome – sowie spindelartige, geometrische und amorphe Formationen. Die Düsternis der frühen Bilder weicht einer zunehmenden Leichtigkeit, die Palette wird heller, Komplementärfarben und Simultankontraste bestimmen die Bilddynamik der jüngeren Arbeiten.

Dass man sich innerhalb der gestischen Malerei auch ganz anders positionieren kann, zeigt Ludwig Arnold (geb. 1950) in der Galerie Heufelder. Seine Landschaften und Stillleben wirken minimalistisch, flüchtig und skizzenhaft. In den in einem Farbton gehaltenen Bildern kommt es zu einer rigorosen Verdichtung des Sujets, das laute Töne meidet.

Franz Hitzler: Ohne Titel | 1989 | Öl auf Leinwand, 142 x 102 cm
© Franz Hitzler / Galerie Braun-Falco

Farbe und Licht
Kontemplativ, jedoch frei von jeglichem dezidiert-künstlerischen Gestus sind die monochrom anmutenden, atmosphärisch dichten Malereien auf Reispapieren der koreanischen Künstlerin YeunHi Kim (geb. 1955) bei Gudrun Spielvogel. Anders als die bewusst assoziationsfreie amerikanische Farbfeldmalerei leitet Kim ihre Farbräume von dem unmittelbaren, emotionalen Naturerleben ab – Natur als transzendente, ganzheitliche Erfahrung. Ein spezielles Verfahren erzeugt die
schillernde Transparenz ihrer Arbeiten: Schicht um Schicht wird Reispapier immer wieder mit Pigment und Farbe getränkt und abgeschliffen, so dass sich das wechselnde Licht in den Oberflächen verfängt und zu diesen erstaunlichen, in
sich differenzierten Farbtönen führt. In der Reihung geraten die Farbnuancen der mehrteiligen Bildtafeln untereinander in Schwingung.

Die Wirklichkeit der Bilder
Nur wenige Galerien setzen auf Fotografie. Die tägliche Bilderflut, der wir täglich durch die sozialen Medien ausgesetzt sind, scheint das Interesse am klassischen Medium Fotografie in den Hintergrund zu drängen. Mit der umfangreichen Ausstellung »Photography in Flux« präsentiert die Alexander Tutsek-Stiftung die 14 Förderpreisträger des »C/O Berlin Talent
Award« dem Münchner Publikum. Die Arbeiten beinhalten die ganze Bandbreite aktueller Fotografie von klassisch-dokumentarisch bis digital-inszeniert. Wie bereits vor den manipulativen Methoden durch KI mit handwerklichen Prozessen neue Bildrealitäten konstruiert wurden, zeigt die Galerie Klüser anhand der Fotoinszenierungen von Lori Nix und von Isca Greenfield-Sanders. Und um das Thema Erinnerung geht es in den Fotocollagen aus der Serie »Liquid Memories« von Christian Leitna bei Artoxin.

Linien und Wahrnehmungsräume
Fred Sandback (1943–2003) kennt man durch
seine minimalistischen Raumzeichnungen aus farbigen Acrylfäden, die in verschiedenen Anordnungen im Raum verspannt sind. Weniger bekannt sind seine Reliefs und Druckgrafiken, mit denen er sein skulpturales Prinzip praktisch als Negativ umkehrt. Der Metropol Kunstraum zeigt ein ganzes Konvolut dieser
minimalistischen Arbeiten aus der Sammlung seines Betreibers Markus Michalke. Wer die linearen Installationen des New Yorker Künstlers kennt, dem eröffnen sich auch bei der Betrachtung der zweidimensionalen Konstruktionen ganze Räume, die schwebenden Linien formieren sich zu Körpern – ein faszinierendes
Wahrnehmungs-Phänomen, das Sandback in etlichen Varianten durchspielt. Entstanden in Folge der dreidimensionalen Raumzeichnungen bilden die Serien auf Papier das ABC von Sandbacks Formulierungen.

Minimalistische Wandobjekte von Gerold Miller (geb. 1961) sind auch bei Walter Storms zu sehen. Zu den jüngsten Positionen zählt Sophia Mainka (*1990), die in ihrer ersten Einzelausstellung mit eher experimentell anmutenden Arbeiten an der Schnittstelle von Skulptur, Video und Installation in der Galerie The Tiger Room auftritt. ||

38. OPEN ART MUNICH GALLERY WEEKEND
verschiedene Orte | Eröffnung in allen Galerien: 16. Okt., 18–21 Uhr | Öffnungzeiten am Wochenende 17./18. Okt.: 11–18 Uhr; verschiedene geführte Rundgänge: 11, 12, 14, 15 Uhr (So: 11, 14 Uhr), Dauer: jew. 2 Std. (Barzahlung) | alle Informationen: https://openart-munich.de

 

 

 


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