»Servus mitanand!« – so begrüßt der Rudi die Follower von »Vegan auf Bayrisch« auf seinen Social-Media-Kanälen mit Rezepten »bayerischer Schmankerl ohne Tierausbeutung«.
»Vegan auf Bayrisch« – für viele Traditionsbewusste klingt diese Wendung wie das reinste Oxymoron: unlogisch, widersprüchlich, absolut unmöglich; für die ganz Strengen vielleicht sogar unerhört. Für den Rudi aus München ist es allerdings selbstverständlich, dass er seinen Schweinsbraten, sein Wiener Schnitzel oder sein Schwammerlgulasch ohne tierische Zutaten zubereitet – und das mit Herzblut, Lebensfreude und Leichtigkeit. Seit April 2024 betreibt der Rudi (der in Wirklichkeit anders heißt) Channels auf Instagram, TikTok und YouTube. Dort präsentiert der junge Hobbykoch seine Schmankerl aus der bayerischen Küche und Rezepte mit einem bayerischen Twist. Besonders schwierig oder komplex sind die Gerichte in der Regel nicht. Was die Rezepte auf den Seiten von »Vegan auf Bayrisch« auszeichnet, ist ihre Bodenständigkeit. Alle Gerichte sind leicht nachzukochen.
Auf die Idee, die bayerische Küche als Ausgangspunkt für die Entwicklung von albernen Fusion-Gerichten zu nehmen – wie vielleicht einer veganen Weißwurst süß-sauer oder veganem Leberkas Hawaii –, ist Rudi zum Glück noch nicht gekommen. Seine traditionellen Gerichte sind vielen User*innen sicherlich aus ihren Lieblingswirtshäusern bekannt oder, sofern sie autochthone Bayer*innen sind, aus der eigenen Familie. Sich an Traditionen zu orientieren, bedeutet für Rudi aber nicht, Veränderung und Feinjustierungen abzulehnen und damit für jeden Gaumenschmaus Tierleid und die ökologische Katastrophe in Kauf zu nehmen und zu verstärken. Ein wichtiger Bestandteil der Videoclips von »Vegan auf Bayrisch« ist daher der klare und deutliche Verweis auf den riesigen Schaden, den die Massentierhaltung verursacht. Moralisierend oder propagandistisch wird es dabei nie. Als pfiffiger Content-Creator weiß der Rudi aber, wie er sich diejenigen unter uns angelt, die ein gewisses Maß an Neugier und Bereitschaft fürs Ausprobieren mitbringen.
Und dazu gehört auch eine ordentliche Portion Humor, die allerdings nicht zulasten seiner wichtigen Botschaft geht: dass wir, wenn wir unseren Planeten und unsere Lebensgrundlagen bewahren wollen, unsere Traditionen – die oft ja noch gar nicht wirklich alt sind – erneuern müssen. Rudis Einladung an Markus Söder, ihn eines Abends zünftig zu bekochen, blieb bislang offenbar unbeantwortet. Viele Clips von »Vegan auf Bayrisch« enden daher mit der scherzhaft vorgetragenen Frage: »Söder, warum ghostest Du mich?« Für den sendungsbewussten Bayerischen Ministerpräsidenten könnten daher zwei Motti fürs kommende Jahr lauten: »A bissl was geht immer« oder »Trau dich«. ||
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