Marcus H. Rosenmüller hat den Theaterhit »Extrawurst« verfilmt. Thomas  Lassonczyk sprach mit dem Regisseur über seine neue Culture-Clash-Komödie, die Gefahren der Künstlichen Intelligenz und die Zukunft des deutschen Films.

Herr Rosenmüller, erst letzten Sommer haben Sie Ihren neuen Film, die irrwitzige Culture-Clash-Comedy „Extrawurst“, die auf dem gleichnamigen, höchst erfolgreichen Bühnenstück basiert, gedreht. Nur wenige Monate später ist Kinostart. Der Film duldete wohl keinen Aufschub?

Ganz so schnell ist es dann doch nicht gegangen. Schließlich ist der Film vorher schon sieben Jahre lang als Theaterstück gelaufen, besitzt also eine Menge Bühnenerfahrung.

Da trifft es sich gut, dass Sie ein Fan von Theaterverfilmungen sind…

Ja, vor allem die Franzosen haben es mir da angetan. Da gibt es die Theatertruppe Le Splendid, die in den 1980er und 1990er Jahren ihre eigenen Bühnenstücke adaptierte, zum Beispiel den Kultfilm mit dem deutschen Titel „Da graust sich ja der Weihnachtsmann“ (1982) oder „Dinner für Spinner“ (1998).

Dabei sind Sie nicht unbedingt für „Verbal Comedy“ berühmt.

Das ist richtig. Ich versuche, Aktionen geschehen und Slapstick entstehen zu lassen, damit ich etwas zum Inszenieren habe. Als ich das Drehbuch von „Extrawurst“ gelesen habe, wusste ich sofort: Wenn das an mir vorbeigegangen wäre, wäre ich wirklich traurig gewesen. Ich muss den Hut ziehen vor den beiden Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, sie haben genau meinen Humor getroffen.

Marcus H. Rosenmüller © Studio Canal

Auch vor der Kamera standen einige komödiantische Schwergewichte zur Verfügung , darunter Hape Kerkeling, den Sie ja als einer der Autoren von „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“, wo er den Teufel spielte, kennengelernt haben. Wie war das Arbeiten mit ihm?

Er war sehr umgänglich und wahnsinnig kooperativ. Einfach sympathisch, höchst professionell und unglaublich textsicher. Schließlich musste er, wie die anderen auch, bis zu 20 Seiten auswendig können.

Zum Beispiel auch Christoph Maria Herbst, der ebenfalls zum Darsteller-Ensemble gehört. Aber ist das nicht gerade bisschen viel „Herbst“ in diesem Kino-Winter? Mit „Ganzer Halber Bruder“, dem aktuellen Dezember-Hit „Stromberg – Alles wie immer“ und jetzt „Extrawurst“?

Ich muss gestehen, dass ich das auch registriert habe, so nach dem Motto „Ach? Da ist er auch dabei?“. Und natürlich wäre es schön gewesen, bei unserem Film ein Alleinstellungsmerkmal mit ihm zu haben. Haben wir aber nicht. Und ich weiß auch, warum: Er spielt einfach so präzise und lustig.

Kann man also sagen, dass Christoph Maria Herbst schlichtweg alternativlos war?

Ja: Ich würde ihn sofort wieder besetzen, und vorher habe ich gezaudert. Man sollte sich doch freuen, dass man mit einem Star zusammenarbeiten kann, der weit über die Norm geht. Im Moment müsste man weltweit schauen, wenn man solche Charaktere im Bereich Komödie finden will.

v.r.n.l.: Matthias (Friedrich Mücke), Torsten (Christoph Maria Herbst), Heribert (Hape Kerkeling) © Studio Canal

„Pumuckl und das große Missverständnis“, der erst Ende Oktober in die Kinos kam, ist gerade dabei, einer Ihrer kommerziell erfolgreichsten Filme zu werden. Das muss doch Balsam auf die verwundete Seele sein, denn Ihr Großprojekt „Trautmann“ über die gleichnamige deutsche Torwartlegende wollte 2019 kaum jemand im Kino sehen.

Das ist wirklich Balsam auf meine Seele, aber es tilgt nicht den Schmerz, den ich mit „Trautmann“ hatte. Meines Erachtens war das ein hervorragender Film, der übrigens im Ausland mehr Erfolg gehabt hat als in Deutschland. Allein in Amerika hat er zwölf Filmpreise gewonnen, auch in Frankreich einige, und dazu Publikumspreise auf diversen Festivals. Also eines muss man ganz klar sagen: „Trautmann“ war eine Niederlage. Der Sieg war, dass wir den Film gestemmt haben.

Nun sind Sie ja nicht nur ein viel beschäftigter Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch an der HFF als Dozent tätig. Ist das nicht ein bisschen viel für einen Mann?

Ja, es ist viel Arbeit, aber da bin ich auch froh drum, da ich es ja machen möchte. Es muss halt gut koordiniert sein. Da gibt es einen Block, der ist für die Filmhochschule reserviert, und der andere eben exklusiv für einen Filmdreh. Oft muss man auch am Abend ran oder eben Wochenende. Aber durch die Abwechslung bleibt es interessant!

Lang erwartet und heiß ersehnt: Die Fortsetzung Ihres Überraschungshits „Wer früher stirbt ist länger tot“. Wie ist da der aktuelle Stand?

Ich schreibe gerade zusammen mit meinen Co-Autoren Christian Lerch und Florian Puchert am Drehbuch, aber wir sind nicht die schnellsten. Wir sind dran, haben ein Skelett der Geschichte, und eine klare Agenda. Sonst hätten wir uns darauf auch nicht eingelassen.

Bei „Extrawurst“ war die Drehbuch-Arbeit schon gemacht, hier ging es eher darum, das Theaterstück, das in einem einzigen Raum spielt, filmisch aufzubereiten. Wie sind Sie da vorgegangen?

In erster Linie geht es mir darum, das Publikum zu unterhalten und nicht zu langweilen. Mir war es wichtig, dass das Ganze nicht zu bräsig wird und einen guten Schwung hat. Das habe ich mir bei den bereits erwähnten französischen Filmen abgeschaut. Die haben ein super Tempo, etwas Spielerisches und eine Leichtigkeit. Das sind Komödien, in denen es einfach menschelt, satirisch zugespitzt, aber durchaus mit Tiefe.

Und schließlich haben Sie wieder Ihre berühmt-berüchtigten Slapstick-Nummern eingebaut. Bei dem „rasenden Rollstuhl“ zum Finale von „Extrawurst“ habe ich mich an den US-Komödien-Klassiker „Die nackte Kanone“ erinnert gefühlt.

Ja, das ist richtig. Aber davor gab es schon eine sechsteilige Fernsehserie mit dem Titel „Die nackte Pistole“, in der bereits Leslie Nielsen die Hauptrolle spielte.

Was macht „Die nackte Pistole“ so besonders?

Naja, die Ideen in der Serie sind großartig strukturiert. Wenn man wissen möchte, wie Running Gags aufgebaut werden, wie man mit der Erwartungshaltung spielt, sie einhält und doch bricht, wie man die Lachtränen in die Augen der Zuschauer treibt, der wird an „Nackter Pistole“ nicht vorbeikommen!

Zum Schluss möchte ich noch über Künstliche Intelligenz sprechen, die uns ja auch auf künstlerischer Ebene massiv bedroht. Wie ist da Ihre aktuelle Einschätzung?

Was ich spüre, ist, dass man wachsam sein muss, und sich wie bei allen technischen Fortschritten auch Wissen aneignen sollte. Damit man sich auskennt und schauen kann, ob man etwas für sich rausziehen kann. Ich bin wirklich gespannt, was KI beruflich für uns bedeutet, denn ich kann mir schon vorstellen, dass man in absehbarer Zeit einfach mit Prompts arbeitet: „Bitte mache mir aus diesen fünf Figuren einen Film zu dem oder dem Thema“. Da wird für viele von uns, die im Filmmetier arbeiten, in den nächsten fünf bis zehn Jahren einiges zukommen. Und leider sagt mir mein Bauchgefühl, es könnte arg sein.

Und wie geht es mit dem deutschen Kino weiter?

Mich würde es sehr freuen, wenn viele Menschen sich deutsche Produktionen ansehen. Und der eine den anderen ein bisschen anfeuert. Und wenn dann die Trailer laufen, sollen die Leute sagen: Ach, das gefällt mir, da gehe ich auch rein. Denn es ist genügend Wasser zum Schwimmen da, das uns nach oben treibt. Und je mehr reingehen, umso höher treibt es unsere Filme. Ich hoffe einfach, dass die Leute wieder Lust haben, in unsere Filme zu gehen und richtig reinströmen, sowohl in Hape Kerkelings „Horst Schlämmer sucht das Glück“ als auch in Simon Verhoevens „Diese entsetzliche Lücke“ und natürlich auch in unseren Film „Extrawurst“.

EXTRAWURST
Deutschland 2025 | Regie: Marcus H.
Rosenmüller | Buch: Dietmar Jacobs, Moritz
Netenjakob | Mit: Hape Kerkeling, Christoph
Maria Herbst, Fahri Yardim | 100 Minuten
Kinostart: 15. Januar

 

 


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