»No Other Choice« von Park Chan-wook ist eine bissige Satire auf den Raubtierkapitalismus in wirtschaftlich schlechten Zeiten.

Als Dank für seine Arbeit gibt es von der Firma einen Aal. Diesen grillt der Vater und Alleinverdiener Yoo Man-su (Lee Byung-hun) stolz im Garten seines mondänen Anwesens. Seine Ehefrau Mi-ri (Son Yejin) richtet den Tisch her, während die Kinder spielen und ihre zwei Hunde herumtollen. Zur Feier des Tages schenkt Man-su seiner Frau ein Paar Tanzschuhe. Der neue Film von Park Chan-wook „No Other Choice“ beginnt mit lauter glücklichen Gesichtern. Aber das Familienidyll währt nicht lange: Man-su wird bald darauf gekündigt, als ausländische Investoren seinen Arbeitgeber – eine südkoreanische Papierfabrik – aufkaufen und beim Personal einsparen. 

Das stellt die großbürgerliche Familie vor eine immense Herausforderung. Zunächst beginnt Mi-ri als Zahnarzthelferin zu arbeiten. Um Geld zu sparen, kündigt sie ihre Tennisstunden und das Netflix-Familien-Abo. Später müssen die Vier sogar ihre Hunde weggeben und das Haus zum Verkauf anbieten. Währenddessen versucht es Man-su mit Selbsthilfegruppen, Bewerbungsgesprächen und einem Übergangsjob im Supermarkt. Nach einem erfolglosen Jahr stürzt der Langzeitarbeitslose in eine tiefe Krise. Man-su kommt auf eine ziemlich ungewöhnliche Idee, wie er seinen alten Arbeitsplatz zurückbekommt. Er schreibt eine gefakte Stellenanzeige aus, um potenzielle Bewerbungskonkurrenten in der Papierbranche anzulocken und aus dem Weg zu räumen. 

Morden macht erfinderisch: Yoo Man-su (Lee Byung-hun) mit einem Blumentopf © 2025 CJ ENM Co. Ltd. MOHO FILM

Diese wilde Geschichte basiert auf den Roman „Die Axt“ von Donald E. Westlake, der 1997 erschien und 2005 bereits von Costa-Gavras adaptiert wurde. Park Chan-wook widmet dem Regiekollegen seine Neuverfilmung, die auf dem Filmfestival in Venedig uraufgeführt und für Südkorea als Oscarkandidat eingereicht wurde. Bereits in seiner Vengeance-Trilogie aus den frühen 2000ern wirbelte er mit einer einzigartigen Mischung aus Rachethriller, Slapstickcomedy und Sozialkritik die internationale Filmszene auf. 

Auch in „No Other Choice“ gelingt dieser Mix hervorragend. Das liegt zunächst am Hauptdarsteller Lee Byung-hun, der als verzweifelter Vater und ungeschickter Psychokiller Mitleid und Ablehnung gleichermaßen evoziert. Außerdem hat Park seine präzis komponierte Bild-und-Ton-Sprache weiter verfeinert: Leuchtende Handydisplays und sterile Interiors treffen auf Dreck und Blut. Wenn Man-su über seine Opfer herfällt, wälzen sie sich im Regen und Schlamm. Das Hässliche und das Schöne liegen bei Park Chan-wook nah beieinander. 

Vor allem rechnet der Regisseur mit dem Raubtierkapitalismus ab. Wer nicht frisst, wird gefressen. Man-su verbirgt seine Taten vor Mi-ri und den Kindern. Natürlich schöpft seine Frau Verdacht. Auch die Konflikte und Selbstzweifel der anderen Konkurrenten schildert der Regisseur in Nebenhandlungen. Obwohl sich die Figuren oft brutal und lächerlich benehmen, hat Park ein Herz für sie, denn alle kämpfen mit denselben Problemen. Gleichzeitig macht er klar, wie absurd die Widersprüche der Menschen sind. So ist Man-su leidenschaftlicher Hobbygärtner und kümmert sich liebevoll um seine Bonsaibäume im Gewächshaus. Tagsüber werden dort ein paar Äste abgeknipst und abends Knochen gebrochen. ||

NO OTHER CHOICE
Südkorea 2025 | Regie: Park Chan-wook
Buch: Park Chan-wook, Lee Kyoung-mi,
Don McKellar, Jahye Lee | Mit: Lee Byung-Hun, Son Ye-jin, Park Hee-Soon | 139 Minuten
Kinostart: 5. Februar

 


Das könnte Sie auch interessieren: