Als »D INGS« öffnet das ehemalige Sendlinger Tor Kino wieder seine Tore: eine kulturelle Zwischennutzung mehr in der Hauptstadt der Behauptung. Moritz Holfelder war bei der Eröffnung.

Mitte Januar. Ein Freitag. Am Abend ist Eröffnung. Viele Menschen können es gar nicht fassen. Sie fragen: Macht das Sendlinger Tor Kino wirklich wieder auf? Bevor es losgeht, soll im Zuschauerraum, solange er noch leer ist, eine Aufnahme entstehen. Doch ein Stromausfall kommt dazwischen. „Die Kabel sind alt“, sagt Eric, ein Mitarbeiter, der mich durchs Haus führt. Im Saal: Dunkelheit. Stattdessen also ein paar Fotos mit Tageslicht im Foyer und im Eingangsbereich. Alles wirkt, als hätte das Filmtheater nie zugemacht. Zwölf Monate sind seit der Abschlussvorstellung vergangen. Die alte Wandfarbe hat die Schließungszeit bravourös überstanden, sie fasziniert den Besucher nach wie vor mit ihrem impertinent sonnigen Achtziger-Jahre-Ton zwischen Gelb und Aprikose. Schön und gruselig zugleich. Total retro. Eine Zeitreise. Der Kronleuchter mit den acht teilweise schiefstehenden Lampenschirmen hängt noch dort, wo er schon immer hing; der Besuch des Herrenklos im Rang verlangt unvermindert über drei enge Stufen hinab eine gewisse Akrobatik; das Damen-WC liegt „½ Treppe tiefer“. So steht es immer noch auf dem aberwitzigen Messingschildchen, das schon in der Zeit auffiel, als hier noch täglich Filme gezeigt wurden.

© Moritz Holfelder

Aber jetzt lebt ein neuer Geist im Haus. Das D INGS ist eingezogen, und mit ihm das Münchner Künstlerkollektiv Broke.Today. Die Beteiligten küssen das alte Kino zusammen mit anderen Initiatoren wieder wach aus dem urbanen Dornröschenschlaf – als Zwischennutzung. Es gibt Konzerte, Shows, Lichtinstallationen, Talks und Kunst. In der Ecke vor dem Saaleingang lehnen auf einem Heizungsgitter sechs riesige Streichhölzer („MATCHES“), im Foyer steht ein Grabstein, der mit kleinen Spiegelquadraten beklebt ist, wie man sie auf Discokugeln findet – ihn ziert der Spruch OHH FUCK THE PARTY IS OVER FOREVER. Daneben lockt ein rollbarer Verkaufsständer Kunden an. Wer das D INGS unterstützen will, erwirbt für fünf Euro eine Postkarte mit VerDingshornungen bekannter Filmtitel: „The Lord of the Dings“, „Apocalypse Dings“, „The Dings and the Furious“. 

Am Abend der Eröffnung bleiben draußen Passanten stehen und betrachten die Menschenschlange vor dem Ex-Lichtspielhaus. Viele wollen hinein, andere gucken ungläubig. Was passiert dort?

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe. Hier geht es zum Kiosk.

 


Das könnte Sie auch interessieren: